Wie man den Design-Kreis optimiert

Ein gelunger Artikel im namhaften chinesischen Magazin ART AND DESIGN nach einem Interview mit Andreas Diefenbach (Stuttgart) und Yifan Zang (Shanghai), beide Managing Partner von PHOENIX DESIGN.

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  • Artikel aus dem chinesischen Magazin ART AND DESIGN

    Artikel aus dem chinesischen Magazin ART AND DESIGN

    Phoenix Design: Wie man den Design-Kreis optimiert

    Übersetzung aus dem Chinesischen.

    Mit der Auszeichnung des Red Dot Awards „Design Team of the Year 2018“ ist Phoenix Design aus Stuttgart unmittelbar und weithin als richtungweisend im Bereich des Industral Design bekannt geworden. Seit seiner Gründung1987 hat das Studio mehr als 850 Preise gewonnen. Jüngst haben sich die beiden Gründer Andreas Haug und Tom Schönherr in den Hintergrund zurückgezogen. In ihrer aktuellen Rolle fungieren sie eher als „Coaches“. Phoenix Design ist mittlerweile an weiteren Standorten weltweit vertreten.

    Das ursprüngliche Phoenix Design Konzept vom „Design-Kreis“ ist mit dem fortgesetzten Wachstum des Studios zu einem offenen Design-„Geheimnis“ geworden. „Meistens konzentrieren sich Unternehmen auf ihren Gründer, ich aber glaube, dass das Team im Zentrum der Arbeit steht“, sagt Tom. Der so genannte „Design-Kreis“ ist keine grundlegend neue Technik, sondern vielmehr eine Arbeitsweise: ein Team stellt sein Design-Projekt einem anderen Team vor. Das gibt dann eine Bewertung und Feedback, ohne am Projekt selbst mitzuarbeiten. Das Team, das das Projekt vorstellt, darf sein Konzept und seine Gestaltung in diesem „Design-Kreis“ nicht sofort verteidigen, ist aber andererseits frei zu entscheiden, ob es die vorgetragenen Meinungen der anderen nachher annehmen will oder nicht. So funktioniert der „Design-Kreis“ bei Phoenix Design.

    Andreas Diefenbach, einer der geschäftsführenden Gesellschafter von Phoenix Design, hat das Konzept vom „Design-Kreis“ der beiden Gründer wieder aufgegriffen, die damals herausfanden, dass immer wenn ein Entscheidungs-Meeting stattfindet, die Teilnehmer hoffen, zu einem Konsens zu gelangen, aber auch klar ihre Meinung vortragen zu können. Allerdings trauen sich Mitarbeiter oft nicht, neue Ideen vorzustellen, vor allem wenn die Ideen noch ganz neu und frisch sind. Der Mechanismus des „Design-Kreises“ möchte alle Beteiligten dazu ermutigen, ihre Meinung frei und offen zu sagen und gleichzeitig aufmerksamer zuzuhören. Dieser Ansatz verhilft jedem Projekt fast unsichtbar zu einer präziseren Ausrichtung. „Bei Design-Projekten besteht immer die Gefahr, das Ziel aus den Augen zu verlieren. Wenn man mitten im Projekt steckt, sieht man oft den Wald vor lauter Bäumen nicht“, erläutert Andreas Diefenbach.

    Nachdem dieser Mechanismus seit vielen Jahren etabliert ist, haben die Mitarbeiter gelernt wahrzunehmen, dass der erste Eindruck beim Designen von Produkten unglaublich wichtig ist. Das führt dazu, dass im „Design-Kreis“ die Mitarbeiter oft die gleichen Meinungen oder Gedankengänge spüren und äußern wie der Kunde, so als ob das Problembewusstsein gleichsam eine perfekte Brücke zwischen Designer und Kunde schlägt. „Bei der Diskussion im ‚Design-Kreis’ geht es nicht um Gewinnen oder Verlieren, sondern darum, die zugrunde liegende Wahrheit herauszuarbeiten“, stellt AndreasDiefenbach klar, der als Verfechter des Wesentlichen bekannt ist. Das war auch ein wichtiger Grund, warum er nur 14 Jahre gebraucht hat, um eine Karriere vom Praktikanten bis zum Gesellschafter zu durchlaufen.

    Andreas Diefenbach erinnert sich, dass er schon von Anfang an bei PHOENIX eine Menge Verantwortung übertragen bekam. In seinem ersten großen Projekt ging es darum, eine Badkeramikserie für Duravit zu gestalten. Mit diesem Projekt trat er nicht nur in Wettstreit mit den damaligen Designmeistern der Marke (darunter Starck und Foster), sondern die Herausforderung bestand auch darin, eine Linie von 50 Einzelprodukten zugehörig und doch eigenständig zu designen. Schließlich gewann die von Andreas Diefenbach gestaltete Produktlinie PuraVida den iF Design Award. Das Verschmelzen von Keramik und verchromten Metall in dem Entwurf zeigt die Vitalität und Dynamik des Produkts.

    Andreas Diefenbach formuliert es so: „Wenn man möchte, dass ein Design sich abhebt, braucht es eine eigenständige Gestaltung und ein breit angelegtes Verständnis davon, was Design ausmacht. In der Vergangenheit hat sich ein Unternehmen nur auf den reinen Prozess des Produkt-Designs konzentriert. Heute geht es stattdessen immer mehr um strategisches Denken, um Abläufe, Systeme und um Kommunikation, die sämtlich unbedingt zu berücksichtigen sind.“

    2015 gewann Phoenix Design mit dem mobilen Serviceroboter Care-O-bot den Award „Red Dot: Best of the Best“. Entworfen und gestaltet wurde der Roboter für das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (Fraunhofer IPA) mit der Maßgabe des Kunden, dem Roboter eine „elegante“ Anmutung und gleichzeitig eine einzigartige Beweglichkeit zu geben. Deshalb wurde ein modulares Design gewählt, um die grundlegende Funktionalität des Designs zu betonen, und als das Element, was das Gegenüber am meisten anspricht, bekam der Roboter ein „Gesicht“ mit freundlich dreinschauender intelligenter Bedienschnittstelle.

    2016 gewann das Midea Raumklimagerät den Award „Red Dot: Best of the Best“; verantwortlich für das Design zeichnet Yifan Zhang, einer der Gesellschafter und Leiter des Phoenix Design Studios in Shanghai. Yifan Zhang erinnert sich, dass im Jahr bevor das Projekt designt wurde, China noch sehr stark von schwerer Luftverschmutzung betroffen war. „Meine Familie war froh, dass ich im Ausland lebte und nicht unter der Luftverschmutzung leiden musste. Aber auch vom Ausland aus machte ich mir große Sorgen wegen der Smoglage in China. Als ich mit dem Design-Projekt für das Midea Raumklimagerät begann, war meine Hoffnung, mit Nachdenken und gutem Design einige der Probleme lösen helfen zu können, die die Menschen in ihrem Leben am meisten belasten“, sagt Yifan Zhang. Die wichtigste Eigenart des Raumklimageräts besteht darin, dass es natürlich die herkömmliche Kühlfunktion bietet, darüber hinaus aber auch die Luft reinigt und das Gehäuse automatisch reinigt und sterilisiert. Nach dem Erfolg dieses Design-Projekts hatte sich das Studio Shanghai fest etbaliert, und Phoenix Design kann von hier aus seine Kunden in China noch besser bedienen. Direkt anschließend erfolgte das Design für „Deli“, ein führendes Unternehmen für Büromaterial in China.

    In der aktuellen Pandemie sind nationale und internationale Kommunikation sehr wichtig. „In vielerlei Hinsicht stimmt es, dass wegen der Pandemie das Arbeiten aus dem Homeoffice stark zugenommen hat und auch in unserer Arbeit weiterhin eine Rolle spielt“, meint Andreas Diefenbach.

    Phoenix Design setzt darauf, die Legende der Wiedergeburt vom „Phoenix aus der Asche“ lebendig und relevant zu halten. Das Studio muss sich weiterentwickeln und ständig erneuern. Dazu Andreas: „Unsere Designer sind diejenigen, die über die Zukunft nachdenken und denen die Zukunft am Herzen liegt, und das berühmte Zitat von Dieter Rams: ‚Weniger, aber besser!’ ist heute relevanter denn je. Wir haben dieses Zitat stets vor Augen.“ Mit Blick auf den globalen Design-Kreis mag Phoenix Design mit seinen gerade 80 Mitarbeitern nur ein „kleiner Kreis“ sein, aber jede und jeder Einzelne in diesem Kreis ist ein Talent, dessen Weiterentwicklung unbedingt lohnt. „Talent ist sehr wertvoll. Nur wer eine globale Vision hat, kann die Zukunft von Phoenix Design verteidigen.“

  • Andreas Diefenbach, Managing Partner, Phoenix Design, Stuttgart

    Andreas Diefenbach, Managing Partner, Phoenix Design, Stuttgart

    Andreas Diefenbach (*1979) ist seit 2019 Managing Partner von Phoenix Design. Er absolvierte sein Studium in Industrial Design an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart und der Folkwang Universität der Künste in Essen. Seit 2006 hat er verschiedene Positionen bei Phoenix Design durchlaufen, zuletzt als Mitglied der Geschäftsleitung. Als Spezialist für die Sanitär- und Investitionsbranche hat er internationale Marken im Innovationsprozess betreut und ist heute verantwortlich für die Bereiche Business Development, HR und Marketing.

    "Design- und vor allem Innovationsführerschaft bedarf einer Kultur der wahren Kreativität, hungriger Entwicklung, kritischer Reflexion und neugieriger Vielfalt. Diese Wandelbarkeit ist in der DNA von Phoenix Design verankert." – Andreas Diefenbach

    adi (at) phoenixdesign.com
    M +49 173 729 4615

  • Yifan Zang, Managing Partner, Phoenix Design, Shanghai

    Yifan Zang, Managing Partner, Phoenix Design, Shanghai

    Yifan Zhang (*1987) ist seit 2019 Managing Partner von Phoenix Design und leitet das Studio Shanghai. Nach seinem Studium an der USST Shanghai und der Burg Giebichenstein Kunsthochschule in Halle startete er 2014 als Produktdesigner bei Phoenix Design. Als Designer mit internationalem Hintergrund engagiert er sich dafür, deutsche Designqualität mit dem aufkommenden chinesischen Design zu verbinden und deutsche Marken zu einer besseren Geschäftsentwicklung in China zu verhelfen. Seit der Studioeröffnung in 2017 verantwortet er als General Manager China alle Themen rund um Innovation, Strategie und Business Development in China.

    "Bei Phoenix Design denken wir global, wollen aber gleichzeitig die Nähe zu unseren Kunden und ihren Märkten verdichten. Nur so können substantielle Innovationen entstehen." – Yifan Zhang

    yzh (at) phoenixdesign.com
    M +86 158 003 5068 2