F.A.Z. Quarterly > Wie das TV Gerät verschwindet

Eine Reportage von Thomas Lindemann für das Suplement Quarterly der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Ausgabe Januar 2020. Im Interview mit Andreas Diefenbach, Managing Partner von PHOENIX.

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  • Auszug aus dem Artikel: ... Es hat lange genug gedauert, bis TV-Hersteller endlich von der Benutzerfreundlichkeit etwa eines iPhones lernen - nun ist es so weit. Und das alles passiert, weil sich die Ansprüche an ,,die Glotze" vollkommen geändert haben. ,,Das Fernsehen brachte früher die Nation und Kulturen zusammen - für Fußball,Tagessschau,'Tarort' am Sonntagabend", sagt Andreas Diefenbach, Industriedesigner und geschäftsführender Gesellschafter beim renommierten Studio Phoenix Design. ,,Das alles ist vorbei. Heute werden Medien eher allein und am Smartphone konsumiert. Im Wohnzimmer geht es den Menschen dagegen eher um eine neue Mindfulness. Also darum, Ruheorte zu schaffen und zu viel an Technologie wieder aus dem Haus raus zu schaffen." Seine Firma hat jahrelang für Loewe Geräte gestaltet. Da ging es um gewagte, aber wirklich schöne Designobjekte, die auffallen. Der Fernseher als Skulptur, das war zuletzt das beste Konzept, aus dem ungeliebten elektronischen Möbelstück etwas Ansehnliches zu machen.Wenn man schon eine große schwarze Fläche mitten im Zimmer aufstellen muss, sollte sie wenigstens wie ein Kunstobjekt aussehen. Phoenix entwarf einen LCD Fernseher, der direkt am Boden steht, den Lautsprecher wie eine elegante Metallleiste unter dem Bild verbaut hat und an den Seiten knallrot strahlt. Eine Aufstellvariante mit einem einzelnen Metallrohr in der Mitte gab es auch - sie war ein Gebilde wie aus einem Stanley-Kubrick-Film der Siebziger. Doch die Stuttgarter Firma, deren Arbeit als Paradebeispiel des modernen deutschen Designs gilt, entwirft heute keine Fernseher mehr. Einerseits passiert in diesem Geschäft alles in Fernost. (Der durchsichtige Fernseher stammt aus Japan, der aufrollbare aus Korea, die Laserprojektoren aus China.) Und andererseits ist der Fernseher eben kein Objekt mehr, das im Leben eine große Rolle spielt. ,,Die alten Vasen oder das Besteck der Oma hütet man, aber Technologie hat eine kurze Halbwertzeit", sagt Diefenbach. Die Menschen lieben Dinge, aber nicht mehr so sehr die mit Elektronik - weil sie gelernt haben, dass sie nicht lange wertvoll bleiben. ,,Das Paradigma Fernseher in seiner ursprünglichen Gestalt wird sich sehr stark verändern und sich in Teilen aufösen." ....

    Quarterly 1/2020 ist ab sofort im Zeitschriftenhandel erhältlich.

    www.fazquarterly.de

  • Andreas Diefenbach, Managing Partner, PHOENIX Stuttgart/Munich/Shanghai

    Andreas Diefenbach (*1979) ist seit 2019 geschäftsführender Gesellschafter bei Phoenix Design Stuttgart/Munich/Shanghai. Seit 2006 ist er im Unternehmen und hat verschiedene Positionen bei Phoenix Design durchlaufen, zuletzt als Mitglied der Geschäftsleitung. Er absolvierte sein Studium in Industrial Design an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart und der Folkwang Universität der Künste in Essen. Als Spezialist für die Sanitär- und Investitionsbranche hat er internationale Marken im Innovationsprozess betreut und als Geschäftsführer ist er heute u.a. auch verantwortlich für die Bereiche Business Development, HR und Marketing.

    Phoenix Design hält den ersten Platz „Best of“ im iF World Design Index „externe Designstudios“ und gilt als führendes unabhängiges Designstudio für Produkt- und Interface Design weltweit. Heute zählt PHOENIX 80 Mitarbeiter an den Standorten Stuttgart, München, Shanghai. Mit mehr als 800 internationalen Designpreisen wurde PHOENIX bereits ausgezeichnet, u.a. mit dem Ehrentitel „Red Dot: Design Team of the Year 2018“. Markenunternehmen wie AXOR, Deli, Haier, Hansgrohe, Huawei, Lamy, LG, Loewe, Stiebel Eltron, Still, Trumpf, Vorwerk, Wilkhahn, Xiaomi und Zeiss gehören zu den langjährigen Kunden.

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